Ansprache an meine Geliebte

Du bist heute zum ersten Mal bei mir. Darum werde ich Dir einige Verhaltensmaßregeln geben, die Dir helfen, Dich zurechtzufinden. Also knie Dich vor mich hin und höre genau zu.

Du sollst nicht auf den Boden schauen! Ich weiß, daß Du wahrscheinlich gelesen oder gehört hast, daß eine gute Sklavin ihren Herrn nicht unaufgefordert ansieht, doch das gilt hier nicht. Ich will, daß Du nach oben schaust, denn ich finde es wichtig, Deine Augen zu sehen, wenn ich Dich bestrafe oder andere Dinge mit Dir anstelle. In Deinen Augen kann ich lesen.

Wenn ich wirklich einmal will, daß Du zu Boden schaust, dann werde ich es Dir befehlen, und wenn Du nichts sehen sollst, dann werde ich Dir die Augen verbinden.

Du sollst nicht ungefragt sprechen. Wenn ich möchte, daß Du mir antwortest, werde ich Dich dazu auffordern. Ungefragtes Sprechen bedeutet Strafe. Es kann allerdings sein, und das ist nicht selten, daß ich Dich zu Deiner Meinung frage. In diesem Falle sollst Du klar und deutlich und in ganzen Sätzen antworten. Satzfetzen wie „ja“ oder „nein“ sollst Du mir ersparen.

Das bedeutet natürlich, daß Du mir gut zuhören mußt. Bemerke ich, daß das nicht der Fall ist, werde ich Dich bestrafen. Und ­ um mir antworten zu können, mußt Du eine Meinung haben. Dazu mußt Du über Dich und Deine Leidenschaft nachdenken. Mit einer Frau, die nicht aktiv über ihre Meinung nachdenkt, sondern ausschließlich passiv meine Geschenke der Unterwerfung und der Schmerzes annimmt, kann und will ich nichts anfangen.

Du sollst meinen Befehlen schnell und ohne zu zögern folgen. Das wird Dir gerade zu Beginn schwerfallen. Aus diesem Grunde wirst Du oft bestraft werden, und Du wirst die Strafen, die ich mir für Dich ausdenke, in Dankbarkeit annehmen, denn sie sind wichtige Meilensteine auf Deinem Weg zur Perfektion.

Ich werde Dich loben, oder ich werde Dich bestrafen. Dazwischen gibt es keine Gleichgültigkeit wie in einer normalen Beziehung. Daher wirst Du die Spuren der Bestrafung mit dem gleichen Stolz auf Deinem Körper tragen wie mein Lob in Deinem Herzen.

Du wirst Deine Scham mir gegenüber völlig ablegen, im besten Sinne des Wortes schamlos sein. Ich werde dich oft, intensiv und an jeder Stelle Deines Körpers berühren. Das mag zu Beginn ungewohnt für Dich sein, denn es geschieht nicht ­ wie in einer normalen Beziehung ­ gegenseitig, sondern meist einseitig von mir ausgehend. Du wirst lernen, mit diesen Berührungen umzugehen und sie ohne Widerstand von mir anzunehmen, auch ohne ich Dich dazu binden muß.

Noch kenne ich Deinen Charakter nicht, aber es mag sein, daß ich Dich eines Tages dazu auffordern werde, gewisse Obszönitäten innerhalb einer anonymen Öffentlichkeit zu begehen. Auch dann wirst Du mir zu Befehl sein.

Du wirst lernen, Deine Angst zu überwinden, wenn ich Dich in Situationen bringe, in denen Du nicht mehr dazu in der Lage bist, Dich zu wehren. Ein gewisses Maß an Furcht gehört dazu, nicht aber panische Angst. Wenn aus unserer Beziehung etwas werden soll, mußt Du mir vertrauen, zunächst ein wenig, später vollkommen. Nur wenn es mir gelingt, dieses Vertrauen in Dir zu hervorzurufen und Du dazu in der Lage bist, Dich in Ehrfurcht auszuliefern, kann das, was zwischen uns sein sollte, von Dauer sein und einen gewissen Grad von Perfektion erreichen.

Ich werde Dich manchmal „Sklavin“ nennen, in Situationen, in denen es meiner Meinung nach paßt. Ansonsten werde ich Dich beim Vornamen rufen, denn auch Du hast ein Recht auf eine Persönlichkeit. Hättest Du keine, wärest Du für mich uninteressant. Auch wenn Du das Objekt meiner Lust bist, so würde ich es doch als langweilig empfinden, wenn Du auf die Dauer zum willenlosen, glatten, nur rezipierenden Objekt würdest. Also strenge Dich an.

Im Laufe der Jahre mußte ich feststellen, daß auch ich nicht perfekt bin.

Zwar bin ich lange über die Phase meiner persönlichen Angst hinweg, während einer Session Träume und reale Möglichkeiten zu verwechseln, doch kann es durchaus vorkommen, daß bei der Erforschung der weißen Flecken der Landkarte meiner Partnerin Grenzverletzungen geschehen. Aus diesem Grunde bin ich ­ anders als früher ­ der Meinung, daß Codewörter unerläßlich sind. Ich werde Dir zwei nennen. Das eine kannst Du verwenden, wenn Du spürst, daß eine Grenze in Dir überschritten wird, wozu Du noch nicht bereit bist oder die Du auch nicht überschritten haben möchtest. Verwende dieses Wort sparsam, denn sonst wirst Du niemals die Intensität erleben, die möglich ist, und bei einer zu häufigen Verwendung müßten wir überdenken, ob wie zueinander passen.

Das zweite Wort kannst Du innerhalb unserer Beziehung nur ein einziges Mal anwenden, denn es bedeutet, daß ich einen entsetzlichen Fehler gemacht, Dich und Deine Möglichkeiten völlig falsch eingeschätzt habe, und daß ich Dich und Deine wirklichen Bedürfnisse nicht bis in den Grund Deiner Seele nachvollziehen kann. In einem solchen Fall wird die gesamte Session sofort abgebrochen, und es wird nicht möglich sein, die Beziehung weiter aufrechtzuerhalten. Aber keine Sorge, dieses Wort habe ich glücklicherweise noch niemals zu hören bekommen. Ich habe vor einiger Zeit den Wunsch gehört, auf diese Worte zu verzichten, bevor ich sie genannt habe. Ich habe darüber nachgedacht und bin zu dem Schluß gekommen, daß eine Frau, die das möchte, nicht zu meiner Art von Sadomasochismus paßt, denn auch ich habe als Herr im Laufe der Jahre persönliche Grenzen kennengelernt, die ich nicht überschreiten werde.

Und es ist besser, auf eine Beziehung zu verzichten, als sie halbherzig einzugehen. Das gilt auch für Dich.

Und zuletzt ­ SM ist nicht immer eine todernste Sache. Ich lache gern und erlaube es Dir auch, nicht nur, wenn ich Federn auf Deinem Körper benutze.

Sollte ich Dein Lachen einmal nicht wollen, werde ich es schon zu verhindern wissen. (SMile).

Jetzt ist es an Dir, zu überlegen, denn noch hast du den freien Willen, diese Bedingungen abzulehnen ….

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