Rituale beim BDSM

Vorhin habe ich davon gesprochen, dass eine genaue Planung Nachteile hat und es langweilig werden kann, immer das selbe durchzuexerzieren. Aber auch ein genauer Ablaufplan und Duplizität der Ereignisse kann seinen ganz eigenen Reiz haben und für manche Paare sogar im Mittelpunkt der Sache stehen. Es geht um die Ritualisierung einer Züchtigung.

Oft liest man von „Strafabenden“ oder man erinnert sich an den gefürchteten Freitagabend in seiner Kindheit. Gemeinsam ist diesen beiden Dingen das besondere Ereignis, das dahintersteckt – Es ist ein bestimmter Tag, zu einer bestimmten Uhrzeit an dem man regelmäßig für seine Untaten in der vorangegangenen Woche bestraft werden soll. Dabei findet dann immer ein genau festgelegtes Ritual statt. Beispielsweise werden dann einem seine Schandtaten aus einem Buch vorgelesen und dann darauf hingewiesen, dass man eine Strafe verdient hätte. Anschließend muss man dann zum Empfang der Strafe seinen Po entblößen und sich in Position bringen. Darauf folgt eine festgelegte Anzahl von Rohrstockhieben. So, oder so ähnlich lesen sich fast alle Berichte und Geschichten über rituelle Bestrafungen. Unterschiedlich sind meist nur der Ort der Handlung und einige wenige Details in der Handlung.

Gerade das Ritual des Straf-Abends birgt einen ganz eigenen Reiz in sich – viele Paare, die das praktizieren berichten davon, dass die Züchtigung an sich eigentlich nur der Gipfel des Ganzen sei. Den eigentlich Reiz dabei macht die Zeit davor aus. Der sog. Strafabend ist ein unverrückbarer Zeitpunkt und man ist dieser Tatsache hoffnungslos ausgeliefert. Nichts kann einen davor bewahren, beispielsweise am Freitag um 20:00 Uhr seine Verfehlungen vorgehalten zu bekommen und für diese dann auch bitter büßen zu müssen. Ohne Gnade notiert der Partner, dass z. B. die Küche mal wieder nicht aufgeräumt ist und man denkt daran, dass der Rohrstock am Tag der Abrechnung wieder nicht zuwenig zu tun bekommt. Immer wieder spielt man im Kopf das bevorstehende Ereignis durch, überlegt wie man der Sache vielleicht entkommen könnte um dann festzustellen, daß es sinnlos ist und es besser sein wird, sich seinem Schicksal zu beugen. Je näher der Zeitpunkt rückt, desto unruhiger wird man – es macht sich ein flaues Gefühl in der Magengegend breit und man fängt an, auf dem Stuhl unruhig hin- und herzurutschen. Wenn dann der Zeitpunkt der Abstrafung gekommen ist, wirkt die Züchtigung wie eine Erlösung.

So wie dieses gibt es noch eine Unzahl anderer Rituale, die Paare für sich als erregend herausgefunden haben. Allen gemeinsam ist das Gefühl für den Bottom, sich der Macht des Top auszuliefern. Manche Beziehungen sind voll nach diesem Muster aufgebaut und bringen beiden die Erfüllung ihrer sexuellen Wünsche. Im Alltag leben sie eine völlig normale Beziehung, in der beide gleichberechtigt sind und der man von außen auch die kleine Besonderheit nicht anmerkt. Aber eben diese Besonderheit macht den Kick aus, der diese Beziehung bereichert. Während man gleichberechtigt miteinander lebt, ist sich der Bottom voll bewusst, dass die kleinen Verfehlungen im Alltag unbarmherzig bestraft werden. Die Grenzen zwischen der Realität und dem Play verschwimmen und es herrscht eine Spannung, die geradezu knistert.

Oftmals wird auch ein variantenreiches Play in ein ganz bestimmtes Ritual eingebunden. Beispielsweise wird über die kleinen Verfehlungen des Bottom Buch geführt und bei Erreichen einer bestimmten Punktzahl wird ein willkürlicher Tag festgelegt, an dem die Strafpunkte in Form einer Abstrafung abgegolten werden. Das Ritual bildet hier den Rahmen für ein an sich sehr variantenreiches Spiel. Das Play wird dadurch noch weiter angereichert. Hier macht man sich die Vorteile beider Arten zunutze. Aber egal was man nun macht, wichtig ist auch hier, daß es beiden Spaß macht.

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