Regeln beim BDSM?

Synonyme = Anweisungen, Vorschriften, Bestimmungen, Anordnungen, Direktiven, Normen, Richtschnüre.

Regeln dienen in einer d/s-geprägten Beziehung der Festlegung, Führung, Lenkung und Kontrolle des Verhaltens der sub und werden vom Dom bzw. von beiden Partnern (auch das gibt es in einer d/s-Beziehung) festgelegt.
Beispiele hierfür sind spezielle Begrüßungsrituale, Bekleidungsvorschriften, Verhaltensregeln gegenüber dem Dom und/oder anderen Personen, etc. etc. etc.

Im vorigen Absatz war von festgelegten Regeln die Rede, es gibt jedoch auch unausgesprochene.
Im weitesten Sinne sind alle Erwartungen und Wünsche des Doms Regeln, wobei diese auf die sub meistens den gleichen Effekt haben wie festgesetzte Befehle. In dem Augenblick, in dem der Dom seine Wünsche kund tut, gibt er eine Struktur vor, und dabei ist es völlig unerheblich, ob dieses Gefüge nun informeller Art ist oder als feste Regel in die Beziehung integriert wird.

Auch der Bereich von Erwartung und Gewohnheit zählt im weitesten Sinn zu den Direktiven, wenn auch in relativ locker Form.
Nicht wenige subs schaffen sich ihre eigenen Regeln, die nirgendwo nieder geschrieben, nichts desto trotz aber Richtschnüre sind, an die sich halten. So beobachten sie bspw. ihre Doms sehr genau, registrieren, was ihnen gefällt und was nicht und handeln entsprechend – oder gewisse Sachen wurden vom Dom mehrfach in Form von Wünschen ausgesprochen und die sub hat erkannt, dass er es immer gerne so hätte.
Hieraus manifestieren sich häufig sogenannte Rituale, z.B. dem Dom unaufgefordert Feuer geben, wenn er eine Zigarette rauchen möchte oder ähnliches.
Derartige Gewohnheiten sind nicht festgeschrieben und können auch mal außer Acht gelassen werden, z.B. in der Öffentlichkeit oder wenn Besuch kommt, der von der Neigung nichts weiß und vielleicht ein wenig komisch darauf reagieren würde.

Aber egal, ob die Bestimmungen ausgesprochen sind oder nicht, so ein großer Unterschied besteht dazwischen nicht, denn generell möchte eine sub ihrem Dom gefallen und bemüht sich daher stets, seinem Willen zu entsprechen und das zu tun, was er will. Regeln haben Vor- und Nachteile. Nicht für jeden sind Regeln geeignet, manche fühlen sich hierdurch in ihrem Aktionsradius und ihrer Entscheidungsfreiheit eingeschränkt und befürchten zudem, ihre sub durch ständig neue und/oder modifizierte Regeln zu verunsichern, während sie für andere unabdingbar sind und wieder andere, bei denen sie so weit gehen, dass sie jegliches Verhalten der sub vorschreiben.

Indes vermitteln Regeln beiden Partnern eine gewisse Sicherheit. Das Machtgefälle wird durch klare Befehle ganz deutlich, und beide werden stets daran erinnert. Ein noch relativ junger Dom kann sich auf diese Weise gewiss gut und vielleicht einfacher als ohne solche Hilfsmittel in seiner „Rolle“ etablieren. Subs haben das Gefühl, sich durch Einhaltung der Vorschriften richtig zu verhalten, was ihnen ebenfalls Sicherheit vermittelt.
Allerdings muss der Dom z.B. bei fixierten Anordnungen sehr genau auf dessen Einhaltung achten, bzw. seiner sub so weit vertrauen, dass sie ihm Regelverstöße unaufgefordert „beichtet“. Dies erfordert seitens des Doms ein hohes Maß an Aufmerksamkeit.

So gesehen, sind Regeln gerade für Neulinge in d/s-Beziehungen recht hilfreich. Allerdings sollte man es gerade zu Beginn nicht übertreiben und auch nicht mit einem ganzen Regelwerk aufwarten.

Des weiteren gibt es temporäre Regeln, die nur in bestimmten Situationen oder während spezieller Sessions Gültigkeit besitzen. Menschen, die Probleme mit Direktiven und Ähnlichem haben, sollten vielleicht erst einmal mit solchen beginnen, da hierbei der Zeitraum begrenzt ist. Bereits sehr schnell nach unserem Kennen lernen, vor allem auch deshalb, weil d/s bei uns von Anfang an eine große Rolle spielte, gab es auch bei uns einige ungeschriebene Regeln, deren Anzahl sich nach und nach erhöhte.

Mein Dom wies mich einmal an, unsere bisherigen Regeln einmal aufzuschreiben. Zuerst habe ich mich dagegen gesträubt, denn so schwarz auf weiß – nee, das wollte ich nun doch nicht. Natürlich habe ich letztendlich, wenn auch zuerst sehr widerwillig, seinem Befehl gehorcht. Damals waren es 18 Regeln.

Bis dato habe ich mich immer gegen Reglementierungen gesträubt, da ich mich durch sie in meiner persönlichen Freiheit eingeschränkt sah. Doch wie ist das mit der Freiheit in einer 24/7-Beziehung? Ich habe doch lediglich DIE Freiheiten, die mein Dom mit zugesteht, denn ich habe mich ihm freiwillig und ohne Wenn und Aber unterworfen.

Inzwischen sehe ich unsere Regeln nicht mehr als „Zwangsjacke“ an, sondern als Hilfsmittel für uns Beide. Mittlerweile hat sich die Anzahl beträchtlich erhöht und die meisten der neueren habe ich vorgeschlagen (so kann man seine Meinung ändern) *lach*.

Da eine Beziehung nie starr ist, sondern sich im Laufe der Zeit fort bewegt oder häufig auch wandelt, ändern sich, wie schon durch die Erweiterung ersichtlich geworden, auch die Regeln. Manche kommen hinzu, einige fallen vielleicht weg und wieder andere werden modifiziert.

Selbstverständlich ist nicht mein gesamtes Tun und Handeln reglementiert, damit würde ich nicht klar kommen, denn das wäre für mich kein Leben mehr und ich würde mich wie eine Marionette fühlen.
Innerhalb festgelegter Grenzen treffe ich sehr wohl meine eigenen Entscheidungen und bestimme selbst, was ich tue oder lasse.

Wie steht es nun mit Regelverstößen? Wie geht der Dom hiermit um?

Natürlich bricht wohl kaum eine sub mutwillige irgendwelche Regeln, aber es kann passieren, dass sie einfach mal die eine oder andere vergisst (wenn ich da so an mein Gedächtnis namens Sieb denke …).

Auf keinen Fall darf der Dom einen Regelverstoß übergehen, denn damit würde er der sub signalisieren (wenn auch vielleicht nur durch Gedankenlosigkeit), dass ihm einerseits die Regel, andererseits d/s und letztendlich sie selbst nicht wichtig ist. Eine solche Missachtung kann bei der sub zu Verunsicherung sowie tiefer Enttäuschung führen und auch dazu, dass sie in Zukunft Regeln BEWUSST verletzt, um Beachtung zu erlangen.

Setzt der Dom eine Strafe fest, muss es natürlich eine solche sein, die der sub NICHT gefällt, da sie ansonsten das Gegenteil bewirkt und sie in dem unerwünschten Verhalten noch bestärken kann. Denn es soll ja eine Bestrafung sein und keine Belohnung. 😉 Auf Dauer kann auch dies für die sub sehr verwirrend und/oder frustrierend sein.

Bei der Bemessung der Strafe sollte der Dom einerseits daran denken, was bei seiner sub den besten Erfolg erzielt, aber auch berücksichtigen, wenn sie eine bestimmte Regel bspw. das 1. Mal nicht beachtet hat. Im Wiederholungsfalle sollte es natürlich eine Strafverschärfung geben.
Bei manchen subs genügt eine Ermahnung, andere reagieren entsprechend auf einen derben Anschiss (mir tut ein solcher weher als 2 Dutzend derbe Hiebe mit dem Rohrstock) und wieder andere bedürfen zum besseren Einprägen einer Strafarbeit oder aber einer körperlichen Züchtigung. Oftmals ist es jedoch so, dass Äußerungen der Unzufriedenheit wirksamer sind als Schläge, denn die sub möchte ja, dass ihr Dom mit ihr zufrieden ist und tut normalerweise alles dafür, dass er ihr wohlgesonnen ist. Wir haben schon auf etlichen Homepages von SM-Paaren ganze „Regelbücher“ mit teilweise 50, 100 oder mehr Bestimmungen entdeckt. So etwas kann natürlich Neulinge und Anfänger gerade in Sachen d/s sehr verunsichern.
Aus diesem Grunde stehen unsere Regeln auch nicht für alle sichtbar auf dieser Website, sondern sind hinter einem Passwort geschützten Tor versteckt.

Wie bereits zuvor geschrieben, hatten wir Beide am Anfang ungeschriebene Regeln, dann einige geschriebene, die nach und nach erweitert und modifiziert wurden, was sicher auch in Zukunft der Fall sein wird.
Dies wird jedoch auf vielen Pages verschwiegen. Für einen Newbie ist es natürlich ein Ding der Unmöglichkeit, ein komplettes Regelwerk zu beachten und in sein Leben zu integrieren. Und auch in einer neuen Beziehung entwickelt sich dies nach und nach und ist nicht von Beginn an Usus. So etwas klappt nämlich nur in den seltensten Fällen.

Letzte Woche (Anfang April 2003) habe ich bspw. einmal die Positionen, die ich in bestimmten Situationen einzunehmen habe, schriftlich fixiert. Das war auch so ein Punkt, mit dem ich eine ganze Zeit lang kämpfen musste. Natürlich habe die diese Stellungen meinem Dom zuliebe gerne eingenommen, aber schriftlich festhalten … der Gedanke hat mich nicht wirklich begeistert. Vor ein paar Tagen war ich jedoch SOWEIT und habe sie aufgeschrieben.

Noch ein Wort an die Doms/Dommes: Es ist entschieden besser, euren subs Zeit zu geben, sich mit Regeln etc. vertraut zu machen und sie für sich zu akzeptieren, als sie hiermit zu „erschlagen“. Denkt daran, ihr wollt doch zufriedene subs. 🙂

Egal, ob in eurer Beziehung Regeln eine Rolle spielen oder nicht, wichtig ist, dass ihr eine Form der Partnerschaft wählt, die euch BEIDEN gefällt.
Auch wenn es immer heißt, sub habe sich zu fügen und in Allem zu gehorchen, ist es dennoch ein Geben UND Nehmen. Schließlich sollen in jeder Art von Beziehung BEIDE Partner glücklich werden.

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