Outing der BDSM-Leidenschaft

Generell ist es so, dass „von der Norm abweichende“ Neigungen in der Gesellschaft als abstoßend empfunden oder belächelt werden. Dies geschieht in den seltensten Fällen aus Bösartigkeit, sondern aus Unsicherheit. Wir Menschen haben die Eigenart, das, was wir nicht kennen und nachvollziehen können, erst einmal abzulehnen.
Das ist ein völlig natürlicher Selbstschutzmechanismus und resultiert noch aus der Urzeit, als alles Unbekannte eine Gefahr bedeutete. Trotz unserer heutigen Zivilisation und aller Aufgeklärtheit ist dieser Automatismus noch bei sehr vielen Menschen vorhanden.

„Was können wir tun, um das zu ändern?“ Eine gute Frage.
Wir denken, der beste Weg ist es, natürlich mit unserer Veranlagung umzugehen, den anderen Menschen zu zeigen, dass es FÜR UNS völlig normal und eben NICHT pervers ist.
Sicher erreichen wir dabei nicht bei allen Akzeptanz und etliche werden ihre ablehnende Haltung nicht aufgeben. Doch fragt euch mal: Ist DAS denn so wichtig? Wenn andere Menschen damit nicht klar kommen, ist es doch deren Problem und nicht unseres. Meine (Dark Angels) Mutter tut sich bspw. nach Jahren noch schwer es zu akzeptieren, liebt mich aber dennoch, und einzig das zählt für mich, nichts anderes.

Angst vor den Reaktionen der Umwelt ist normal, doch irgendwann kommt man nicht drum herum, es zu „offenbaren“, will man nicht mit der ständigen Angst leben, es könnte irgendwie doch mal heraus kommen.

Wichtig ist allerdings, dass wir uns selbst völlig sicher sind, d.h. unsere Neigung uneingeschränkt akzeptieren und dazu stehen. Ist dies nämlich nicht der Fall, merken das die Menschen nämlich sehr rasch.

Sicher wird man nach einem Outing – zumindest anfänglich und bei einigen – auf Ablehnung stoßen, doch davon würden wir uns nicht beirren lassen. Menschen, die uns wirklich lieben bzw. mögen, akzeptieren uns so, wie wir sind – und alle anderen haut einfach in die Tonne. Das hört sich jetzt vielleicht ein wenig brutal an, doch wir haben die Erfahrung gemacht, dass wirklich Freunde einem auch Freunde bleiben, nachdem sie „es“ wissen. „Wir sind, wie wir sind“, und wenn jemand damit nicht klar kommt, ist das ihr/sein Problem und nicht unseres.
Seitdem in unserem Umfeld alle entscheidenden Leute unsere Neigung kennen, fühlen wir uns ebenfalls entschieden besser. Fast alle nehmen sie als gegeben hin und verurteilen uns nicht dafür. Mit einigen können wir uns sogar sehr nett darüber unterhalten, auch wenn eine solche Vorliebe für sie selbst nicht infrage kommt. Natürlich meinen wir mit Outing jetzt nicht, dass wir uns mit der „Flüstertüte“ auf den Alex oder Stachus stellen, es laut heraus posaunen oder es irgendwelchen Leuten erzählen, zu denen wir keinen näheren Bezug haben. Sicher interessiert es unsere Nachbarn oder Kollegen, mit den wir höchstens ein „Hallo, wie geht es?“ wechseln, herzlich wenig.
Nein, es geht um Menschen in unserer näheren persönlichen Umgebung, unsere Verwandten und Freunde.

Letztens habe ich (Dark Angel) selbst mit meiner Omi darüber geredet.
Wir sprachen über die Woche, die ich bei meinem Dom verbracht habe und ich meinte, dass ich sehr glücklich darüber bin, einen Mann „gefunden“ zu haben, mit dem ich mich nicht nur menschlich super verstehe und bei dem die Chemie wunderbar passt, sondern der auch meine Vorliebe teilt.
Da der Umgang mit meiner Neigung für mich völlig normal ist, ist mir das einfach so rausgeruscht.
Nachdem meine Omi daraufhin nachgehakt hat und ich es ihr erzählt habe, meinte sie: „Ja, irgendwie passt das zu dir – und Hauptsache du bist glücklich dabei.“
Also, ich war erst einmal baff. Mir war schon klar, dass sie mich nicht verurteilen würde, denn sie ist ein absolut herzensguter Mensch, aber SO viel Verständnis habe ich von einer fast 80jährigen Frau, die einer völlig anderen Generation angehört und mit dieser Thematik noch nie näher konfrontiert wurde, nicht erwartet. Aber daran erkennt man, viele Menschen sind eben doch toleranter, als wir oft denken.

Okay, nicht jeder ist in der glücklichen Lage wie wir Beide. In unserem privaten Umkreis wissen es alle maßgeblichen Leute, bei Sir Wolfgang auch sein Chef und bei mir sogar mein „Lieblingskunde“. *lach*

Für manche Menschen ist das Outing schon aus beruflichen Gründen ein Problem, z.B. wenn sie in Positionen tätig sind, in denen ein Bekannt werden negative Folgen haben würde.
In einer solchen Situation sollte man sich natürlich genau überlegen, wem man sich anvertraut, denn es hat schon häufig Fälle gegeben, in denen die angeblich beste Freundin oder der angeblich beste Freund nichts Besseres zu tun hatte, als überall herum zu erzählen, was mit der Person, die sich offenbart hat, los ist – und irgendwann kam es dann auch einem Arbeitskollegen oder dem Chef zu Ohren. 😉 Ein wenig Menschenkenntnis ist hierbei natürlich nötig.

Andererseits leben manche SMler in einem total prüden Umkreis und ein Anvertrauen der Neigung selbst der Verwandschaft, einer Freundin oder einem Freund hätte den gesellschaftlichen Ausschluss zur Folge.
In einer derartigen Lage empfiehlt sich ein Outing natürlich ebenfalls nicht. Entschieden besser ist es dann, man sucht sich Freunde unter Gleichgesinnten.

Wie bei allen unserer Themen wollen wir natürlich niemanden „nötigen“, es uns gleich zu tun, sondern euch Hilfestellung und Anreiz zum Nachdenken geben.
Menschen, die in der beruflichen und gesellschaftlichen Position sind, sich ein Offenbaren ohne negative Folgen leisten zu können, möchten wir das Outing jedoch wärmstens empfehlen.

Ein Kommentar zu „Outing der BDSM-Leidenschaft

  1. Hallo Leserinnen und Leser.

    habe meine BDSM-neigung vor etwas mehr als 16 Jahren entdeckt. Es hat Zeiten gegeben, in denen ich etwa anderthalb Jahre lang 24/7 BDSM gelebt habe, privat und auch im Beruf durch meine kleidung ersichtlich. Ist schon wieder einige Jahre her.
    Während dieser Zeit war ich jedes Wochenende auf einer Fetisch- oder BDSM-Veranstaltung. Selbstverständlich bestand ich darauf, dass man bereits beim Betreten meiner damaligen Wohnung, dass ich auf BDSM stehe. Und als wenn das noch nicht genügt hätte…, hatte ich es jedem auf die Nase gebunden.

    Im Nachhinein muss ich für mich gestehen, dass ich es einigen Leuten erzählt hatte, die meine Neigung gar nichts anging – weil BDSM meine Privatsache ist, und weil nicht jede/r wissen muss, mit wem ich was privat mache.
    Es gibt Menschen mit Prinzipien, meist sind das rationale Menschen, die schnell schubladisieren. Wenn einer z.B. damit prahlt, dass er seit Jahren im Verein boxt, besteht die Gefahr, dass er irgendwann auf jemanden treffen könnte (Betonung auf Konjunktiv), der weniger professionell ist und sich außerhalb des Rings bzw. des Sports mit ihm messen möchte.
    Leider gibt es auch Solche und Solche im eigenen, näheren Umfeld, die dann von einer Sekunde auf die andere ein völlig falsches Bild von einem bekommen – noch nicht mal wegen einem selbst, sondern weil für die alle BDSMler schon immer (Gedankenzitat) „…, pervers und psychisch krank“ gewesen sind. Ehe man also Pferde scheu macht…,)
    Und auch für mich selber benötigige ich keine bestätigung mehr in Form von Möbel. Selbstverständlich sind noch Accessoires vorhanden, nur nicht mehr für jeden ersichtlich. Und auch egal, welche Kleidung ich trage: ich bin, wer ich bin.;)

    Gruß
    Ralf

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