Missionieren

Natürlich meinen wir mit Outing jetzt nicht, dass wir uns mit der „Flüstertüte“ auf den Alex oder Stachus stellen, es laut heraus posaunen oder es irgendwelchen Leuten erzählen, zu denen wir keinen näheren Bezug haben. Sicher interessiert es unsere Nachbarn oder Kollegen, mit den wir höchstens ein „Hallo, wie geht es?“ wechseln, herzlich wenig.
Nein, es geht um Menschen in unserer näheren persönlichen Umgebung, unsere Verwandten und Freunde.

Letztens habe ich selbst mit meiner Omi darüber geredet.
Wir sprachen über die Woche, die ich bei meinem Dom verbracht habe und ich meinte, dass ich sehr glücklich darüber bin, einen Mann „gefunden“ zu haben, mit dem ich mich nicht nur menschlich super verstehe und bei dem die Chemie wunderbar passt, sondern der auch meine Vorliebe teilt.
Da der Umgang mit meiner Neigung für mich völlig normal ist, ist mir das einfach so rausgerutscht.
Nachdem meine Omi daraufhin nachgehakt hat und ich es ihr erzählt habe, meinte sie: „Ja, irgendwie passt das zu dir – und Hauptsache du bist glücklich dabei.“
Also, ich war erst einmal baff. Mir war schon klar, dass sie mich nicht verurteilen würde, denn sie ist ein absolut herzensguter Mensch, aber SO viel Verständnis habe ich von einer fast 80-jährigen Frau, die einer völlig anderen Generation angehört und mit dieser Thematik noch nie näher konfrontiert wurde, nicht erwartet. Aber daran erkennt man, viele Menschen sind eben doch toleranter, als wir oft denken.

Okay, nicht jeder ist in der glücklichen Lage wie wir Beide. In unserem privaten Umkreis wissen es alle maßgeblichen Leute, bei Sir Wolfgang auch sein Chef und bei mir sogar mein „Lieblingskunde“. *lach*

Für manche Menschen ist das Outing schon aus beruflichen Gründen ein Problem, z.B. wenn sie in Positionen tätig sind, in denen ein Bekannt werden negative Folgen haben würde.
In einer solchen Situation sollte man sich natürlich genau überlegen, wem man sich anvertraut, denn es hat schon häufig Fälle gegeben, in denen die angeblich beste Freundin oder der angeblich beste Freund nichts Besseres zu tun hatte, als überall herum zu erzählen, was mit der Person, die sich offenbart hat, los ist – und irgendwann kam es dann auch einem Arbeitskollegen oder dem Chef zu Ohren. 😉 Ein wenig Menschenkenntnis ist hierbei natürlich nötig.

Andererseits leben manche SMler in einem total prüden Umkreis und ein Anvertrauen der Neigung selbst der Verwandschaft, einer Freundin oder einem Freund hätte den gesellschaftlichen Ausschluss zur Folge.
In einer derartigen Lage empfiehlt sich ein Outing natürlich ebenfalls nicht. Entschieden besser ist es dann, man sucht sich Freunde unter Gleichgesinnten.

Wie bei allen unserer Themen wollen wir natürlich niemanden „nötigen“, es uns gleich zu tun, sondern euch Hilfestellung und Anreiz zum Nachdenken geben.
Menschen, die in der beruflichen und gesellschaftlichen Position sind, sich ein Offenbaren ohne negative Folgen leisten zu können, möchten wir das Outing jedoch wärmstens empfehlen.

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