Dominanz beim BDSM

Was ist das Wesen von Dominanz?
Was macht einen dominanten Menschen aus?
Was macht ihn zu einem dominanten Menschen?

Das ist wirklich nicht einfach zu beantworten und wenn man 100 Menschen fragt, bekommt man 100 verschiedene Antworten.

Dominanz bedeutet in erster Linie eine Überlegenheit des Anderen (und hier nicht auf spezielle Lebensbereiche bezogen, sondern in mentaler Hinsicht), sowie seine bestimmende, gebieterische, be- und vorherrschende Präsenz – ganz einfach eine natürliche Autorität.
Natürlich heißt dies, dass solche Menschen nicht nur hier dominant sind, sondern generell, denn es gelingt wohl kaum Jemandem, sozusagen „auf Knopfdruck“ von dominant zu nicht dominant umzuschalten. Daher ist es auch sehr wichtig, dass solche Menschen trotz aller Dominanz kompromissbereit und einfühlsam sind, vor allem aber eine gehörige Portion Humor besitzen.

„Was ist das Wesen von Dominanz? Was macht einen dominanten Menschen aus?“
Wie bereits oben geschrieben, ist Dominanz für uns ein mentaler Aspekt und ein dominanter Mensch Jemand, der eine natürliche Autorität ausstrahlt und nicht Einer, der vordergründig Andere kontrollieren und beherrschen will (auch wenn es im Lexikon so definiert wird). Sicher spielen diese Dinge ebenfalls eine Rolle, doch sollte die persönliche Selbstdisziplin des Dominanten so weit ausgeprägt sein, dass er es nicht übertreibt.
Dominanz ist für mich zunächst eine ruhige Überlegenheit. Ein Dom strahlt Selbstsicherheit aus, und zwar unabhängig von seiner jeweiliger Lebenslage, dem Beruf etc. Ich spüre, dass er weiß was er will und auch, wie er dieses bekommt.
Ferner wahrt ein Dom meine Persönlichkeit und respektiert mich als Menschen.

Ferner gebrauchen wahrhaft dominante Menschen ihre Überlegenheit, um andere Leute zu stützen und ihnen zu helfen.
Wer „nur“ die Peitsche schwingt, gehört für uns zu den Schwachen. Jemand, der sich unterordnen kann, verfügt eher über Stärke. Die ideale Form der Dominanz, der wahren Stärke, ist die Fähigkeit und Bereitschaft, auf die Bedürfnisse anderer einzugehen, ohne auf den eigenen Vorteil zu schauen.

Macht über seine sub zu haben bedeutet natürlich auch, die Verantwortung für einen Menschen zu übernehmen. Dazu gehört, seine eigenen Grenzen richtig einzuschätzen und notfalls auf etwas zu verzichten, was der sub schaden könnte.

Was kennzeichnet nun einen dominanten Partner?
  • An erster Stelle steht die Vertrauenswürdigkeit. Ein Mensch, der nicht vertrauenswürdig ist, ist als Dom völlig ungeeignet.
    Vertrauenswürdigkeit kann man daran erkennen, wie dieser Mensch mit anderen umgeht. Behandelt er Tops, Bottoms oder andere Menschen freundlich, ist er verständnisvoll und hilfsbereit? Kann er ihm anvertraute Geheimnisse für sich behalten?
  • Ebenso wichtig ist die Ehrlichkeit, denn ohne eine solche kann man kein Vertrauen zu diesem Menschen aufbauen. Und ohne Vertrauen ist bspw. eine d/s-Beziehung wie die unsrige unmöglich.
    Ferner können nur ehrliche Menschen ihr eigenes Leben meistern und somit auch andere führen.
    Ehrlichkeit bedeutet ebenso ehrlich zu sich selbst zu sein, wie zu seiner Partnerin und anderen Menschen.
  • Ein weiterer sehr wichtiger Punkt ist das Selbstvertrauen, also das Vertrauen in sich und den eigenen Wert. Nur jemand, der über diese Eigenschaft verfügt, besitzt die erforderliche Selbstkontrolle und ist in der Lage, andere Menschen zu führen.
    Nur zu einem Dom mit Selbstvertrauen kann seine Partnerin Vertrauen aufbauen und unter seiner Fürsorge wachsen.
    Ein Dom, der seiner eigenen Dominanz vertraut, benötigt kein lächerliches Gehabe, kein Prahlen, keine speziellen Äußerlichkeiten, keine starren Regeln und Rituale.
  • Des weiteren ist die Selbstkontrolle für einen Dom von elementarer Relevanz. Nur wer sich selbst beherrschen kann, kann auch andere dominieren.
  • Ein guter Dom muss zwangsläufig auch ein sehr gute Kommunikationsfähigkeit besitzen. Und hiermit ist das miteinander Reden gemeint, nicht das Reden, weil man sich selbst gerne reden hört. D.h. er muss ein guter Zuhörer sein, die Bedeutung der Worte verstehen und zwischen den Zeilen lesen können. Ebenso muss er sich gegenüber seiner Partnerin so artikulieren können, dass sie versteht, was er sagt, seine Beweggründe erkennt und somit akzeptieren kann.
    Kommunikation geht grundsätzlich in zwei Richtungen und ist nie einsseitig. In einer Beziehung müssen sich beide Partner klar und deutlich ausdrücken können, ebenso aber aufnahmefähig für die Äußerungen des jeweils Anderen sein.
  • Weisheit und persönliche Reife sind weitere wichtige Punkte. Wissen alleine genügt nicht, man muss auch verstehen, es anzuwenden. Mithilfe dieses Wissens muss ein Dom in der Lage sein, Probleme zu lösen, seine eigenen, wie auch die seiner Parterin.
  • Ein weiteres äußerst wichtiges Kennzeichen eines guten Doms ist das Mitgefühl. Ohne dies ist er kein Dom, sondern ein Tyrann. Ein wahrer Dom fühlt mit den Menschen, die unerfahrener, unreifer oder schwächer sind als er, mit. Er wünscht allen Menschen, zu denen er eine nähere Beziehung hat, grundsätzlich das Beste und hilft ihnen, wo es ihm möglich ist. Ebenso kann er verzeihen und ist auch nicht nachtragend.
  • Ferner besitzt ein guter Dom die Fähigkeit zu lieben. Dies ist gerade für die meist sehr liebevollen und liebebedürftigen subs, denen das Geben ein Herzensanliegen ist, von elementarer Wichtigkeit. Sie geben nicht nur unheimlich viel Liebe, sie brauchen sie auch wie die Luft zum Atmen. Nur ein Dom, der es versteht, dieses Grundbedürfnis seiner sub zu erfüllen, hat eine wirklich glückliche Partnerin.
    Natürlich liebt sich ein guter Dom auch selbst, denn nur jemand, der sich so akzeptiert, wie er ist, kann auch anderen Liebe geben.
    Die Liebe eines Doms ist stets uneigennützig. Sie ist aufmerksam und hilfsbereit gegenüber Bedürftigen. Sie überdeckt viele Sünden und verzeiht, ohne nachtragend zu sein.
  • Weitere wichtige Punkte sind Feingefühl und Sensibilität. Ein Dom muss rechtzeitig wahrnehmen, wann seine sub an ihre Grenzen kommt. Entscheidend ist natürlich auch das Auffangen danach.
  • Ein guter Dom ist außerdem ein ausgezeichneter Lehrer, der seine sub geduldig unterrichtet. Er belohnt sie für erfolgreiche Ausführungen, hilft ihr dabei, ihr eigenes Potential zu entwickeln und teilt sein Wissen mit ihr. Er nährt ihren Geist ebenso wie ihre Erotik. Vor allem aber lehrt er sie durch sein eigenes Vorbild.
  • Humor ist ebenfalls ein äußerst wichtiges Kriterium für einen guten Dom. Lachen ist eines der schönsten Dinge im Leben und miteinander Lachen kaum zu übertreffen. Ein Dom, der Lachen kann, vor allem über sich selbst, zeigt damit Selbstbewusstsein, Sicherheit und auch Kritikfähigkeit (im Sinne von Selbstkritik und Annahme von Kritik von anderen).
  • Eine weitere bedeutsame Eigenschaft ist die Konsequenz. Denn nur mit Geradlinigkeit und Zielstrebigkeit vermag er seine sub dahin zu führen, wohin er sie führen möchte. Ein inkonsequentes Verhalten führt zur Verunsicherung auf Seiten der sub, und daraus folgend meistens zu Widerspenstigkeit und Aufsässigkeit.
  • Damit einhergehend muss muss ein guter Dom ebenfalls das zur Führung einer sub erforderliche Durchsetzungsvermögen sein Eigen nennen. Dies bedeutet, dass er dafür sorgen muss, dass seine Befehle, Anordnungen, Wünsche, etc. auch ausgeführt werden. Und dies nicht durch körperliche „Gewaltanwendung“, Überzeugungskraft und Beharrlichkeit sind hier entschieden bessere Berater.
  • Ferner spielt auch ein nicht unerhebliches Maß an Härte eine Rolle. Auch wenn er seine sub noch so sehr liebt, ist es für die Art der Beziehung erforderlich, zuweilen unerbittlich zu sein.
  • Ein weiteres Kennzeichen eines dominanten Menschen ist die Freude an der Machtausübung, denn ohne diese bringt weder ihm noch seiner sub das Ganze etwas.
  • Ein guter Dom ist ferner stets bemüht, immer weiter zu wachsen, offen für neue Dinge und Situationen und mutig genug, auch einmal Hilfe von anderen anzunehmen, denn niemand kann alles wissen oder immer stark sein.

Natürlich erheben diese Punkte keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Unser Anliegen ist es jedoch, zu zeigen, dass einen guten Dom entschieden mehr ausmacht als gewisse Äußerlichkeiten und technische Fertigkeiten.
Was nützt es, den Rohrstock oder die Single Tail punktgenau platzieren zu können oder ein absoluter Experte in Japan Bondage zu sein, wenn die menschlichen Qualitäten nicht stimmen? Mit einem solchen „Dom“ wird eine sub nie glücklich werden können.

Kenntnisse kann man sich aneignen und Fertigkeiten in Sachen Handhabung von Instrumenten erlernen, menschliche Qualitäten jedoch nicht, denn die sind angeboren. Sicher kann man vorhandenes Potential entwickeln, durch Offenheit eine Menge lernen und mit viel Selbstdisziplin bspw. auch gewisse Unarten abstellen, doch Grundlegendes ist nicht zu ändern.

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