Die Beziehung zwischen DOM und Sub

„Wer Top sein will, muss vorher Bottom gewesen sein, bzw. wer Dom sein will, muss zuvor sub gewesen sein.“

Diese in unseren Augen ausgesprochen unsinnige Aussage haben wir schon häufig gehört.
Genauso gut könnte man sagen, bevor man angeln gehen kann, muss man erst einmal Fisch gewesen sein, oder bevor man reitet, ein Pferd. Derartige Behauptungen sind ebenso irrwitzig.
Eigenartigerweise vernimmt man kaum den umgekehrten Fall, also:
Wer bottom/sub sein will, muss zuvor Top/Dom gewesen sein.

Für keine dieser beiden „Rollen“ benötigt man die Erfahrung der anderen. Man braucht für beide u.a. Gespür und Einfühlungsvermögen, um die Bedürfnisse und Grenzen von Körper, Geist und Seele zu ergründen – und zwar einerseits für sich selbst, andererseits aber auch für den Partner, weil der ja ebenfalls auf seine Kosten kommen soll.
Hinzu kommt eine unerlässliche „Diplomatie“ und Kompromissfähigkeit, um das Eine mit dem Anderen in Einklang zu bringen bzw. den Partner sacht und umsichtig an Dinge heranzuführen, die er sich ursprünglich vielleicht gar nicht hat vorstellen können.
Dies alles kann jeder feinfühlige und sensible Mensch aus seiner jeweiligen Neigung heraus entwickeln, dazu muss er nie in der „Haut“ des anderen gesteckt haben.

Sicher hat man als Top/Dom die Möglichkeit, die diversen Spielzeuge an sich selbst zu testen oder ausprobieren zu lassen, um zu wissen, wie sie wirken. Hat man jedoch keine masochistische Ader, tut es einfach nur weh und bringt einem überhaupt nichts. Und natürlich kann Dom auch in die sub-Rolle schlüpfen, aber es wird immer nur eine ROLLE bleiben, denn sub zu sein ist ein inneres Verlangen, das man nicht spielen kann.
Jeder Mensch erlebt die gleichen äußeren Umstände und Geschehnisse in seinem Inneren vollkommen anders als sein Gegenüber, das ist nicht nur beim SM so, sondern im gesamten Leben.

Ein Top, der nicht die geringste masochistische Neigung verspürt, kann gar nicht nachempfinden, was bottom beim Flag, bei Wachspielen, Klammern, Nadeln, Reizstrom und vieles mehr fühlt, ebenso wenig wie der Dom dieses Feeling beim sub hat. Dies gilt logischerweise auch für die umgekehrten Fälle.
Ein Top/Dom KANN also niemals NACHvollziehen, was physisch, metal und emotional im bottom/sub vorgeht, weil ihm hierfür ganz einfach die gefühlsmäßigen Voraussetzungen fehlen.
Wenn man Top/Dom sein will, MUSS man die entsprechende Veranlagung / Neigung / Ader dazu haben. Das Gleiche gilt für den bottom/sub.

Unserer Ansicht nach benötigen zwar die meisten Menschen eine Entwicklungsphase, um sich ihrer Neigung bewusst zu werden und diese dann auch umsetzen zu können. In welche Richtung diese Anlage geht, dürfte jedoch jeder sehr schnell feststellen und braucht dann auch keine Erforschung der anderen Seite im Sinne eines nutzlosen Selbstversuches.

Selbstverständlich KANN es eine Hilfe sein, zuvor auch die andere Seite kennen gelernt zu haben, allerdings nur dann, wenn man diese Neigung in sich trägt bzw. dies zu einem gewissen Zeitpunkt der Fall war.
Hat man die andere Seite aus diesem Grunde mal kennen gelernt, KANN dies, bedingt durch persönliche Erfahrungen und Einblicke zu einem besseren Verständnis für den Partner führen, muss es jedoch nicht zwangsläufig. Denn aus einem unsensiblem bottom wird bspw. garantiert kein einfühlsamer Top.

Wie ist das nun beim Switch? Tja, um einiges anders, denn ein Switcher trägt beide Neigungen in sich und EMPFINDET demzufolge auch BEIDE.
Hier stellen nun wieder manche Leute die These auf, Switcher sind die besseren Top/Doms und besseren bottoms/subs, weil sie auf beiden Seiten zuhause sind. Andere wiederum behaupten, sie seien weder Fisch noch Fleisch und können daher auf keiner der beiden Seiten besser sein.
Wie bei den meisten Dingen im Leben kann man auch hier nicht verallgemeinern. Switcher KÖNNEN besser sein, sind es aber nicht automatisch. Das hängt immer von den jeweiligen Menschen ab.

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