Den richtigen Einstieg zu BDSM finden

Lebt man in einer „normalen“ Partnerschaft, ist es ein sehr schwerer Schritt, dem Partner seine Neigungen zu offenbaren. Es erfordert ein gerüttelt Maß an Mut, den berühmten inneren Schweinehund zu überwinden. Und es ist ein langer Weg, bis dieser Schritt gemacht wird, denn zuvor zermartert man sich den Kopf über Fragen wie „Wenn ich ihr DAS sage, hält sie mich für pervers“ oder „Nein, das würde er nie tun wollen“. Gleichzeitig aber macht sich eine innere Unzufriedenheit breit, da man ein unerfülltes Liebesleben hat. Es gibt wohl nur ganz wenige Menschen, die es schaffen, ihre Neigungen ein ganzes Eheleben lang vor ihrem Lebenspartner zu verbergen und vor allem zu unterdrücken. Die suchen sich dann die Ersatzbefriedigung, einschlägige Literatur zu lesen, entsprechende Filme anzuschauen und manchmal auch zu einer professionellen Domina zu gehen. Sie haben dabei aber fast immer ein schlechtes Gewissen und die Angst, der oder die Partnerin könnte hinter das Doppelleben kommen – was in den meisten Fällen fatal wäre.

Einen Weg aufzuzeigen, der in diesen Fällen hundertprozentig zum Erfolg führt, ist schlichtweg unmöglich. Viel zu diffizil ist die Psyche der Menschen und was beim einen zu einer erfüllten Sexualität führt, kann beim anderen in einer Scheidung und tiefen Wunden enden. Grundsätzlich sollte man daher die folgenden Grundregeln beachten:

  • Eine generelle Offenheit in der Beziehung ist immer von Vorteil.
  • Gegenseitiges Vertrauen ist eine unbedingte Voraussetzung um Wünsche zu äußern und diese dann auch umzusetzen.
  • Niemals versuchen, etwas zu erzwingen.
  • Will man darüber reden, empfiehlt es sich im Vorfeld die grundsätzliche Einstellung des Partners zu S/M- und Spankingspielen herauszufinden.
  • Konkret darüber reden sollte man in einer entspannten Atmosphäre und wenn der Partner seelisch ausgeglichen ist.

Zugegeben – es ist natürlich wesentlich einfacher, wenn beide eine positive Einstellung zum Spanking mitbringen. Schauen wir uns aber noch einmal die zwei letzten Punkte meiner Strichaufzählung an. Im Gegensatz zu den anderen Punkten, die eigentlich keiner weiteren Erklärung bedürfen, verdienen diese beiden eine genauere Betrachtung.

Die grundsätzliche Einstellung der Partnerin zu Spanking herauszufinden ist sehr hilfreich und verhindert auch, dass man im schlimmsten Fall die Partnerin mit seinen Wünschen verletzt. Ein entscheidender Faktor ist da die Kindheit des einzelnen. Gerade unsere Generation, die in den sechziger Jahren geboren wurde, wuchs zu einem großen Teil noch mit der körperlichen Züchtigung im Elternhaus und in der Schule auf. Das prägt sich tief ein und wird von jedem Menschen anders verarbeitet. Meiner Ansicht nach (Ich bin kein Psychologe) kommt es schwer darauf an, wie die Züchtigungen erlebt wurden. Daneben gibt es selbstverständlich auch noch etliche andere Faktoren zu berücksichtigen, aber eine Grundtendenz läßt sich dennoch daraus ableiten.

So gibt es Menschen, die in ihrer Kindheit mit wenig Liebe aber dafür mit unvorstellbarer Brutalität erzogen wurden. Die Rede ist von den sprichwörtlichen Misshandlungen. Die Folgen sind oftmals ein Trauma, dass sich selbst im Erwachsenenalter nicht legt und die weitaus schlimmere Folge ist dann oft noch, dass den eigenen Kindern die selbe Gewalt angetan wird. Das kann sich aber auch ins Gegenteil wandeln, dass man jede Form von Gewalt aufgrund der eigenen Erlebnisse verabscheut. In den seltensten Fällen schlägt sich das später in sexueller Lust an Dominanz oder Unterwerfung nieder. Eher entwickelt sich daraus ein krankhafter Sadismus oder Masochismus, der mit der sadomasochistischen Neigung nur wenig zu tun hat. Die Chancen, daß sich unter solchen Vorzeichen eine erfüllte flagellantische Beziehung entwickelt, sind denkbar schlecht. Das zeigt die Erfahrung.

Wurde aber der berühmte Povoll in einer insgesamt sehr liebe- und vertrauensvollen Atmosphäre erlebt, kann sich daraus im Erwachsenenalter durchaus eine Neigung zu flagellantischen Spielen entwickeln, die zwar vielleicht nicht offen zu Tage tritt, aber dennoch vorhanden ist. Manchmal muss sie nur zum Leben erweckt werden. Unter diesen Umständen, und auch wenn man eine gewaltfreie Erziehung durchgemacht hat, stehen die Chancen nicht schlecht.

Das jetzt weiter zu vertiefen, würde ganz klar den Rahmen sprengen. Aber es zeigt doch sehr deutlich, weshalb eine genaue Sondierung der Lage auf jeden Fall sinnvoll ist und auch geboten erscheint. Denn wenn erstmal der Schritt zu DEM Gespräch getan werden soll, hat man durch entsprechendes Basiswissen auf jeden Fall einen Vorteil. Das Gespräch selbst sollte in einer sehr entspannten Atmosphäre stattfinden. Ob das jetzt im Bett sein sollte oder beim Gläschen Wein im Wohnzimmer hängt von den Gegebenheiten und dem einzelnen Menschen ab. Auf keinen Fall sollte man das Gespräch suchen, wenn der Partner sich in einer seelisch sehr angespannten Situation befindet. Es wäre geradezu katastrophal, kurz nach einem Trauerfall in der engeren Verwandtschaft das Gespräch auf so sensible Themen zu bringen. Dies nur als Beispiel.

Aber es gilt zu bedenken, daß selbst die besten Voraussetzungen keine Erfolgsgarantie sein können. Auch wenn sich die Partnerin auf flagellantische Elemente im Liebesspiel einläßt, heißt das noch lange nicht, dass beide damit glücklich werden. Zu viele Hürden und Fallen lauern noch auf dem Weg zur erfüllten Sexualität. Es bleibt wie es ist – die besten Voraussetzungen für ein erfülltes Sexualleben bietet eine gute und vertrauensvolle Partnerschaft.

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