Covern beim BDSM

Im Internet-Zeitalter ist es häufig einfacher, jemanden kennen zu lernen, als auf herkömmliche Weise. Man trifft sich in Chaträumen, tauscht sich über Newsgroups und Mailinglisten aus und es entsteht häufig eine große Vertrautheit, bevor man sich zum ersten Mal real trifft.

Viele SMler, egal ob Anfänger oder Fortgeschrittener, haben jedoch Angst vor einem ersten realen Kontakt mit einem potentiellen Spielpartner. Angst davor, auf einen Realsadisten (Sexualverbrecher und Gewalttäter) hereinzufallen. Besonders ausgeprägt ist diese Furcht verständlicher Weise bei weiblichen Bottoms.
Auch kursieren immer wieder Schreckensmeldung von Tops, die Grenzen überschreiten, Codewörter nicht beachten und Bottoms vergewaltigen.
Allerdings ist diese Gefahr bei weitem nicht so groß, wie gemeinhin angenommen wird.

Zunächst ein paar allgemeine Hinweise zum Kennenlernen:

  • Generell sollte ein erstes Treffen an einem neutralen, gut besuchten Ort, wie bspw. Cafè, Restaurant oder Kneipe stattfinden, den ihr nach Möglichkeit schon kennt. Es sollte dort auch nicht zu laut hergehen, so dass euer Gegenüber nicht das Argument anbringen kann, doch an einen ruhigeren Platz zu wechseln, der euch unbekannt ist.
  • Lasst euch nie zu etwas drängen, was ihr nicht wollt oder NOCH nicht wollt. Wer wirklich an euch als Mensch interessiert ist, dem macht es auch nichts aus, ein wenig zu warten, bis es zum ersten Spiel kommt. Überschlaft auf jeden Fall eure Eindrücke und zieht danach ein Resümee.
  • Alkohol sollte beim erstes Treffen absolut tabu sein, denn man weiß nie, wie jeder Einzelne darauf reagiert.
  • Auch wenn ihr euch noch so symphatisch seid und die Chemie ebenfalls stimmt, spielt nicht gleich beim ersten Treffen. Tretet euch als gleichberechtigte Partner gegenüber und lernt euch erst einmal real besser kennen.
  • Wird dann ein Spiel / eine Session vereinbart, einigt euch unbedingt auf ein Codewort. Von Tops, die Codewörter ablehnen, solltet ihr euch tunlichst fern halten. Als Bottom solltet ihr Codewörter selbstverständlich nicht missbrauchen, sondern sie nur im Notfall benutzen.
  • Unterhaltet euch vorher über eure Wünsche, Vorstellungen und Phantasien ebenso wie über eure Tabus und Grenzen. Das Gleiche gilt für evtl. Krankheiten und körperliche Einschränkungen. Leidet ihr bspw. unter Asthma, kann schon ein Knebel fatale Folgen haben.
  • Überfordert euch nicht und nehmt euch beim ersten Mal nicht zu viel vor. Im Anschluss an das Spiel solltet ihr unbedingt darüber reden (was hat gefallen, was nicht, etc.), weshalb auch hierfür ausreichend Zeit einzuplanen ist.
  • Ganz wichtig: Als Bottom liefert man sich dem Top regelrecht aus. Nach einer Session ist es daher für ein seelisch gutes Befinden unabdingbar, den Bottom in die Arme zu nehmen und zu trösten. Auch heterosexuelle Frauen und Männer untereinander sowie Partner, bei denen keine weitergehenden Handlungen erfolgen, vergeben sich dabei nichts.

Kommen wir nun zum eigentlichen Thema, dem Covern.

Beim Covern vereinbart ihr als Bottom mit einer Person eures Vertrauens bestimmte Zeitpunkte, an denen ihr euch telefonisch meldet und gebt diesem Menschen zusätzlich Eckdaten wie den Namen und die Anschrift der unbekannten Person sowie den Treffpunkt. Falls etwas passieren sollte, kann der/die Freund/in reagieren und die im Vorfeld abgesprochenen Maßnahmen ergreifen.

Der Bottom, der zu einem Blind-Date oder einem ersten Spiel geht, hat grundsätzlich ein frisch aufgeladenes Handy dabei. Zuvor muss abgeklärt werden, ob in dem Bereich, in dem er sich aufhält, ein einwandfreier Netzempfang gewährleistet ist (in Städten dürfte das kein Problem darstellen).
Im Vorfeld wird eine Uhrzeit vereinbart, zu dem der Bottom sich beim Coverer meldet, vorzugsweise mittels eines Codewortes. Weitere Anrufe können je nach Absprache und Länge des Treffens verabredet werden.
Meldet sich der Bottom nicht zum festgesetzten Zeitpunkt, verständigt der Coverer umgehend die Polizei.
Dies erfordert natürlich auch vom Bottom Verantwortungsbewusstsein, denn der Coverer wird sicher nicht begeistert sein, wenn er von der Polizei eine Rechnung für einen ungerechtfertigten Einsatz bekommt.

Auf jeden Fall solltet ihr eurem Spielpartner sagen, dass ihr euch covern lasst. Reagiert er oder sie ablehnend, lasst die Finger von dieser Person. Das Risiko, dass sie etwas Ungutes im Schilde führt, ist dann zu groß. Jeder verantwortungsbewusste Top akzeptiert es, wenn man sich als Bottom covern lässt.

Inzwischen gibt es in vielen Städten bereits Coverdienste, meistens unter der Schirmherrschaft von SM-Organisationen und Stammtischen. Ein überregionaler Cover-Service ist bspw. Blinddate Security.

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