Ausbau des BDSM-Play’s –> Weiterentwicklung

Hat ein Paar bereits die ersten Erfahrungen bereits hinter sich und findet Gefallen am Spanking, ist es an der Zeit, das Play weiter auszubauen, neue Sachen auszuprobieren und die Lust noch mehr zu steigern. Wie das letztendlich vonstatten geht, hängt in allererster Linie von Eurer Phantasie ab. Phantasien sind vielfältig und deshalb will ich an dieser Stelle nicht mit klugen Sprüchen sondern mit ein paar Anregungen aufwarten.

Ähnlich wie beim „ganz normalen“ Liebesspiel kann es sehr bald langweilig werden, immer wieder das selbe durchzuexerzieren. Wir denken da mit Grauen an die langweiligen Ehemänner, die mal eben kurz vor der Tagesschau auf ihre Frau regelrecht „raufspringen“ (Natürlich ohne Vorspiel), ihr Programm abspulen, sich wieder abrollen und dann einschlafen. Selbstverständlich wird nur die altbewährte Missionarsstellung gewählt, denn was der Bauer nicht kennt, das macht er auch nicht. Gäääääähn, wie langweilig und für die meisten Frauen sicherlich ätzend.

Vorneweg gleich meine Meinung, dass es falsch wäre, jede Züchtigung bis ins letzte Detail durchzuplanen oder sich neuen Sachen generell zu verschließen. Weshalb ich gegen eine genaue Planung bin? Nun, das ist sehr einfach – Es lässt mir zuwenig Spielraum für Variationen. Ich persönlich lege mir für ein Play immer nur ein grobes Grundgerüst zurecht, in dem ich mir Gedanken mache, was ich gerne mal ausprobieren möchte und was unbedingt enthalten sein soll. Den Rest überlasse ich meinen Gefühlen während der Session, die direkt vom Feedback meiner Partnerin abhängig sind. Der größte Nachteil einer genauen Planung ist nämlich der, dass ich nicht auf die körperliche Verfassung und den Reaktionen des Bottom reagieren kann. Ein kleines Beispiel: Nehmen wir an, wir wären in einem ausgedehnten Play schon ziemlich weit und wir haben (exakt nach Plan) dem Bottom noch 20 Rohrstockhiebe zugedacht, die er aber aufgrund der körperlichen Verfassung gar nicht mehr verträgt und deshalb das Sicherheitswort gebraucht, ist das Play abrupt vorbei. Es kann nicht mehr langsam ausklingen und es bleibt ein dummes Gefühl dabei zurück. Und genau das kann bei genauer Planung passieren.

Bei manchen Paaren kann natürlich die Ritualisierung eine erhebliche Rolle spielen und den eigentlichen Kernpunkt beim Spanking markieren. Das ist legitim und birgt auch seinen ganz eigenen Reiz und wird von mir deshalb auch im nächsten Unterkapitel behandelt. Deshalb will ich hier schwerpunktmäßig auf die Möglichkeiten der Variation eingehen.

Hierzu muss man sich im Klaren sein, dass beim Spanking ein gegenseitiges Wechselspiel der Gefühle stattfindet. Während der Bottom vom Gefühl des Ausgeliefertseins, den Schmerzen, dem Vertrauen zu seinem Partner und auch der Liebe lebt, braucht der Top das Feedback seiner Partnerin. Zum einen genießt man als Top das Gefühl der Dominanz über seinen Partner, zum anderen törnt es natürlich auch an, wenn man sieht wie sich die Partnerin unter den Schmerzen und Hieben windet, wie man den Widerstand bricht und auch erlebt, wie sehr es die Partnerin genießt von einem gezüchtigt zu werden. Die Berichte, dass Frauen einen Orgasmus während einer Züchtigung erlebten, sind nicht aus der Luft gegriffen, sondern Produkt einer intensiven und vertrauensvollen Beziehung. Hier funktioniert das Wechselspiel der Gefühle reibungslos und der Top kennt ganz genau die Bedürfnisse, aber auch die Grenzen, seiner passiven Partnerin.

Bereits hier wird schon deutlich, dass Spanking in einer Partnerschaft absolut nichts mit „blind auf den Partner einprügeln“ oder gar der körperlichen Misshandlung eines Menschen zu tun hat. Wer das glaubt, befindet sich auf einem Irrweg und hat nichts, aber auch gar nichts verstanden! Und in einer M/F-Beziehung hat das auch nichts mit der Unterdrückung der Frau oder einem Rückfall in alte Zeiten zu tun. Ich verstehe eine Beziehung, in der S/M, und hier im speziellen Spanking, gelebt und praktiziert wird, als das Spiel zweier erwachsener und vor allem gleichberechtigter Partner. Gleichberechtigt in der Beziehung, während beim Play als solches sich der passive Part vertrauensvoll der Macht des dominanten Partners ausliefert. Und das absolut freiwillig. Irgendwo habe ich den Spruch gelesen „In einer S/M-Beziehung sind alle gleich, aber während einer Session sind manche gleicher als andere“. Dem ist eigentlich nichts hinzuzufügen.

Ich habe gerade davon gesprochen, dass man als dominanter Part eine gewisse Macht inne hat. Eine Macht, die es mit viel Verantwortung zu gebrauchen gilt. Man muss sich darüber im Klaren sein, dass sich der passive Part freiwillig unterwirft und dem Top sehr viel Vertrauen entgegen bringt – Vertrauen das nicht von heute auf morgen kommt, sondern langsam mit der Zeit erwächst. Ich habe es weiter oben schon mal angesprochen, dass Vertrauen nur dann entstehen kann, wenn man die Tabu’s des Bottom respektiert, nicht versucht etwas zu erzwingen und man auch mit viel Einfühlungsvermögen vorgeht.

Vertrauen und Kenntnis der Grenzen des Partners entstehen langsam und mit der Zeit in einer gut funktionierenden Beziehung. Sie sind auch Produkt der Offenheit zwischen den Partnern. Denn es ist von großer Wichtigkeit, dass die Partner miteinander sprechen. Die berühmte „Manöverkritik“ nach einem Play – egal ob es toll war oder danebenging – ist einer der der Kernpunkte in der Entwicklung eines vertrauensvollen Verhältnisses beim Spanking. Dieses Gespräch ist mindestens genauso wichtig, wie die vorangehenden Gespräche über die ich weiter oben schon geredet habe. Man sollte darin ruhig besprechen, was den Partner antörnte, was nicht so toll war oder was man noch verbessern könnte. Nur so kann man herausfinden, was beiden zur Erfüllung verhilft. Ob das Gespräch nun unmittelbar bei der Zigarette danach oder zu einem späteren Zeitpunkt bei einem Gläschen Wein statt findet, hängt vom Einzelnen ab. Aber es muss stattfinden. Falsch wäre es, den Partner – ganz gleich ob passiv oder aktiv – mit seinen Gefühlen, die ja gerade in einer solchen Beziehung ziemlich intensiv sind, alleine zu lassen und ihn damit in ein tiefes Loch fallen zu lassen. Nach einem ausgedehnten Play durchleben beide Partizipanten eine wahre Flut von Gefühlen, und der Bottom benötigt ganz dringend die Zuwendung des Top.

Vorhin sprach ich davon, dass beispielsweise eine Frau durchaus einen Orgasmus während einer Züchtigung erleben kann, was grundsätzlich auch beim Mann passieren kann. Eine Chance das zu erreichen hat man dann, wenn man als Top die Grenzen seiner Partnerin genau kennt und es versteht, diese geschickt zu überschreiten. Prinzipiell sollte man natürlich die Grenzen respektieren und versuchen einzuhalten, aber gerade das langsame Herantasten an diese Grenzen beinhaltet auch, dass man diese kurzzeitig und auch sehr gezielt überschreitet. Dass man diesen Schwellwert erreicht hat, kann sich in vielen Indikatoren zeigen. Wenn die Schmerzen beim Bottom einen Grad erreicht haben, an dem sie nur noch schwer zu ertragen sind, äußert sich das in heftigsten Schweißausbrüchen, Zappeln und einem „sich unter den Hieben winden“. Irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, an dem der Widerstand gebrochen ist, sich der Bottom nicht mehr wehrt und sich seinem Schicksal ergibt. Das ist dann der Punkt, an dem man der Grenze sehr nahe ist oder sie bereits überschritten hat.

Passiert das alles am Ende einer sehr ausgedehnten Züchtigung, dann war es ein ziemlich gutes Play. Mit viel Glück, Können und Einfühlungsvermögen erreicht man damit sogar, dass sich der Bottom nach einer gewissen Ruhezeit noch einmal Hiebe wünscht. Und in deren Verlauf kann es dann durchaus zum Orgasmus kommen. Wie gesagt – kann!

Fasst man das alles zusammen, dann fällt auf, dass es in einer festen Partnerschaft keinesfalls langweilig werden muss und die Gefühle im Gegensatz zu einem One-Night-Stand um ein Vielfaches intensiver werden können. Aber um es noch einmal zu betonen – das alles muss nicht so ablaufen und bei jedem Menschen kann sich das ganz anders verhalten.

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